Häuser und Aspekte

 

Die Häuser

Die Tierkreiszeichen teilen den Tierkreis des Horoskop in zwölf gleichgroße Segmente, sie bilden dabei den jährlichen Umlauf der Erde um die Sonne ab. Bisher ist aber – aus astrologischer Sicht – die Tatsache unberücksichtigt geblieben, dass sich die Erde auch um sich selbst dreht.

Die Tierkreiszeichen wandern scheinbar über den Himmel, die Planeten sehen wir aufgehen, kulminieren und wieder untergehen. Diesem ‘Wandern’ der Tierkreiszeichen und diesem Auf- und Untergehen der Planeten tragen die Häuser Rechnung.

Durch das System der Häuser ist ein Werkzeug gefunden worden, mit dessen Hilfe der Ort der Geburt noch genauer in der Deutung berücksichtigt werden kann. Ein Beispiel soll das Problem eines Horoskops ohne Häuser, also ohne Berücksichtigung der Erdrotation, verdeutlichen: Zwei Personen sind zur selben Zeit geboren, die eine in Berlin, die andere in Los Angeles.

Diese beiden Personen stünden im selben Tierkreiszeichen, durch die verschiedenen geografischen Positionen würde sich im Horoskop aber lediglich die Lage des Aszendenten und des Medium Coeli ändern. Berücksichtigt man die große Entfernung der beiden Orte, könnte es gut sein, dass bei der Geburt der einen Person die Sonne schon am Himmel stand, während sie bei der Geburt der anderen noch nicht aufgegangen war

Ebenso könnte der Jupiter in dem einen Fall bereits über Berlin aufgegangen sein, während in Los Angeles dieses Ereignis noch bevorstand. Ungeachtet der augenscheinlichen Unterschiede hätten aber beide Planeten in den jeweiligen Horoskopen dieselbe Position eingenommen.

Wenn Sie sich daran erinnern: Im Abschnitt über die Planeten haben Sie gehört, dass der Mond sich am schnellsten durch die Tierkreiszeichen bewegt. Aber selbst der Mond braucht für das Durchlaufen eines Tierkreiszeichen 2 ½ Tage. Aus diesem Beispiel wird ersichtlich, dass die ursprünglichen Elemente eines Horoskops einer Ergänzung bedürfen.

Die Lösung dieses alten astrologischen Problems, dessen sich bereits die Griechen bewusst waren, ist das Feldersystem oder das System der Häuser. Dieses System teilt den Tierkreis in mehrere Segmente auf, wobei die Aufteilung bis heute eine der größten Streitfrage der Astrologie geblieben ist. Grundlegend kann man aber zwei Systeme unterscheiden: das äquale und das inäquale Häusersystem.

 

Äquales Häusersystem

Bis zum heutigen Tag ist das äquale System die beliebteste und die einfachste Art die Häuser eines Horoskops einzuteilen. Wie der Name des Systems bereits verrät, werden die Häuser als gleichmäßige Felder von 30° in das Horoskop eingetragen.

Das ergibt 12 Häuser. Mit der Zählung der Häuser wird am Aszendent begonnen und gegen den Uhrzeigersinn fortgefahren. Das Medium Coeli fällt bei diesem System in kein bestimmtes Haus und bildet nur ausnahmsweise die Spitze eines Hauses. Meist liegt der Medium Coeli zwischen dem 8. und 11. Haus (je nach Breite des Geburtsorts)

 

Inäquale Systeme

Bei den inäqualen Systemen sind nur die gegenüberliegenden Häuser gleich groß. Hauptsächlich werden zwei inäquale Häusersysteme verwendet, jenes des Placidus (lebte im 17. Jh.) und jenes des Regiomontanus (lebte im 15. Jh.).

Beide Systeme versuchen ein Problem zu korrigieren: die undefinierbare Lage des Medium Coeli. Ihr Ziel ist es, die Himmelsmitte an die Spitze des 10. Hauses zu setzten. Kritisiert wird an diesen inäqualen Systemen, dass sie sich zu stark auf Europa konzentrieren. Für Orte an den Polregionen liefern die inäqualen Systeme meist keine brauchbaren Ergebnisse.

 

Die Aspekte

Aspekte (von lat. aspicere – hinsehen, spähen) sind einerseits Verhältnisse zwischen den Planten untereinander und andererseits Verhältnisse der Planeten zu den beiden wichtigsten Kardinalpunkten, dem Aszendenten und dem Medium Coeli.

Diese Verhältnisse drücken sich in Winkelbeziehungen aus, gemessen wird der Winkel vom Mittelpunkt des Tierkreises aus. Durch die Aspekte wird ebenfalls versucht, die Präzision eines Horoskops zu verbessern. Sie tragen dem Umstand Rechnung, dass nicht nur die Position der Planeten im Verhältnis zum Tierkreis von Bedeutung ist, sondern auch die Verhältnis die Planeten zueinander und ihr Verhältnis zu den beiden Kardinalpunkten.

Salopp formuliert könnte man auch sagen. Es ist wichtig, wo die Planeten ‚hinspähen’. Auch dieser Teil der Astrologie ist unter den Experten umstritten. Wie genau müssen die Aspekte, die Winkel berechnet werden? Welche Aspekte sind essentiell, welchen sind wichtig und welche müssen nicht berücksichtigt werden?

Weitgehend einheitlich ist die Antwort der Astrologen nur bezüglich der Hauptaspekte, weshalb diese hier kurz vorgestellt werden Konjunktion: Sie ist der bedeutendste Aspekt. Damit man von einer Konjunktion sprechen kann, müssen zwei oder mehrere Planeten im gleichen Punkt stehen. Mathematisch ausgedrückt: die Winkeldistanz zwischen ihnen ist 0°.

Ein Konjunktion verstärkt den Einfluss der beteiligten Planeten, ungeachtet ob dieser negativ oder positiv ist. Falls ein Planet in seinem Tierkreiszeichen steht, gebührt ihm die Führung.

 

Zwei der bekanntesten Konjunktionen sind

Die coniunctio aurea, der Königspakt: Jupiter und Saturn stehen zusammen und die coniunctio maxima, die größte Konjunktion: zu den beiden obigen tritt zusätzlich noch der Mars hinzu. Vermutlich war der Stern von Bethlehem eine derartige coniunctio maxima im Tierkreiszeichen Fische.

Opposition: Sie ist der Gegensatz zur Konjunktion, die Winkeldistanz zwischen den beteiligten Planeten beträgt also 180°. Die Opposition ist von ähnlicher Bedeutung wie die Konjunktion und gilt als Spannungsaspekt. Ihr Einfluss muss nicht negativ sein, in den meisten Fällen ist er aber nachteilig.

Das Quadrat: Es ist zu den negativen Aspekten zu zählen, birgt aber zugleich einige Chancen. Das Quadrat ist schwierig zu handhaben, seine Winkeldistanz ist 90°. Das Sextil: Das Sextil kann als eine hilfreiche Paarung, die Gestirne dieses Aspekts können als Freunde angesehen werden. Somit ist es ein Aspekt der Harmonie. Seine Winkeldistanz beträgt 60°.

Das Trigon: Es ist in seiner Wirkung dem Sextil vergleichbar, deshalb gilt auch das Trigon als ein Aspekt der Harmonie. Seine Winkeldistanz ist 120°

Die Häuser und Aspekte verfeinern die Deutungsmöglichkeiten eines Horoskops entscheidend, allerdings ist ihre Systematik bis heute in der Astrologie umstritten. Im letzten Abschnitt, in dem Sie selbst ein Horoskop erstellen werden, wird den Häusern und Aspekte noch einmal einige Aufmerksamkeit gewidmet werden.

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