Aufbau des Horoskops

 

Drei Kreisringe bilden die Grundstruktur eines Horoskops. Im Zentrum befindet sich die Erde, die als kleiner Kreis  dargestellt wird. Diesen Kreis können Sie sich als einen Durchschnitt durch die Erde vorstellen. Der äußere Ring eines Horoskops ist der Tierkreis mit seinen 12 Tierkreiszeichen. Außen um diesen Ring sind meist die astrologischen Häuser angeordnet.

Durch diese beiden Ringe ergibt sich ein mittlerer Ring, in ihm werden die Planeten mit ihren Positionen eingetragen und zueinander in Beziehung gesetzt. Der mittlere Ring ist also auch der Platz der Aspekte. Während der äußere Kreis in die Tierkreiszeichen unterteilt ist, werden alle drei Ringe von zwei Linien durchschnitten, die durch den Mittelpunkt gehen – die beiden zentralen Achsen des Horoskops, der Horizont und die Mittagslinie.

 

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So finden Sie Aszendenten und Medium Coeli

In einem ersten Schritt gilt es die Position dieser Achsen im Tierkreis zu finden. Bekannt sind Ort und Zeit der Geburt. Mit den Vorkenntnissen aus den Kapiteln über Ort und Zeit müssen diese bekannten Daten so angepasst werden, dass sie den Einheiten entsprechen, die in den Ephemeriden tabellarisch aufgeführt sind.

Aus den Ephemeriden kann nämlich die Position des Aszendenten, des Medium Coeli und die der Planeten abgelesen werden. Zunächst muss die geographische Lage des Orts bestimmt werden. Dazu kann annäherungsweise eine Landkarte dienen, ihre Ungenauigkeit verschiebt aber womöglich den exakten Punkt des Aszendenten, weshalb auf Spezialtabellen zurückgegriffen werden sollte.

Länge und Breite eines Ortes sind in den Anhängen zu den Ephemeriden zu finden oder in eigenen Suchmaschinen. Mit der genauen Ortsangabe können Sie sich nun zur genauen Zeitangabe des Ortes vorarbeiten. In Kapitel 5 haben Sie gehört, dass die Zonenzeit von den Längengraden abhängt und in den meisten Fällen nicht mit der Ortszeit ident ist.

In den Ephemeriden sind die Angaben überdies nur nach der Sonnenzeit in Greenwich geordnet. Die bekannte Geburtszeit muss demnach auf die GMT Zeit umgerechnet, falls notwendig noch um den Faktor der Sommerzeit korrigiert werden.

 

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Das Ergebnis ist die Geburtszeit in der Einheit der Weltzeit

Eine weitere Korrektur wird notwendig, da sich die Erde dreht, und zwar in östlicher Richtung, in jeweils 4 Minuten um einen Längengrad. Je nachdem, ob der Geburtsort östlich oder westlich von Greenwich liegt, müssen für jeden Längengrad 4 Minuten addiert (östlich) oder subtrahiert (westlich) werden.

War die Geburt bspw. von Frau S. in Heidelberg, am 1. November 11 Uhr MEZ, sieht die Korrektur wie folgt aus: Für die Umrechnung auf die Weltzeit muss eine Stunde abgezogen werden und, da Heidelberg ca. auf dem 9. Längengrad liegt, müssen zur Weltzeit außerdem 9 x 4 Minuten dazugezählt werden. Die Ortszeit der Geburt wäre also 10:36.

Mit diesen Korrekturen ist es leider nicht getan, da in den Ephemeriden alles nach der Sternzeit in Greenwich geordnet ist. Die Sternzeit geht der Weltzeit um 4 Minuten voraus, ist also ein Erdentag vergangen, sind 1 Sterntag und 4 Minuten vergangen.

Um endlich die Sternzeit zu erhalten, suchen Sie sich aus den Ephemeriden die Sternzeit über Greenwich für den Tag. Diese zählen Sie dann einfach zur korrigierten Ortszeit hinzu. Damit sich der bisherige Aufwand auch gelohnt hat, empfiehlt sich noch eine letzte Korrektur. Der Einfachheit halber wird hier nur eine Korrekturfaktor angegeben: 9,8 Sekunden/Stunden GMT.

Durch diese letzte Korrektur haben Sie endlich eine Geburtszeit, die exakt genug ist, um die beiden Achsen des Horoskops zu finden. Medium Coeli und Aszendent lesen Sie mit Hilfe der Sternzeit aus den Ephemeriden ab. Dass der Aszendent von der geografischen Breite eines Ortes abhängt, haben sie im ersten Abschnitt gehört

Aus den Ephemeriden kann mit der Ortssternzeit und unter Berücksichtigung der geografischen Breite des Ortes aus der Spalte Asz. der Aszendent abgelesen werden. Dieser wird als Nullpunkt in das Horoskop übertragen. Die Position des Tierkreises ergibt sich aus der Angabe für den Aszendenten. Diese ist nicht in absoluten Graden, sondern in Graden eines Tierkreiszeichens angegeben, also bspw. 15° Widder.

Der Deszendent befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Tierkreises, genau 180° weiter. Verbinden Sie diese beiden Punkte, erhalten Sie den Horizont. Es hat sich eingebürgert, dass der Horizont waagrecht steht. Danach suchen Sie sich den Medium Coeli. Dieser hängt nicht von der geografischen Breite ab und ist einfacher abzulesen. Angegeben ist er wie der Aszendent in Graden eines Tierkreiszeichens.

Damit sind die vier Kardinalpunkte und mit ihnen die beiden Hauptachsen des Horoskops bestimmt, ein erster entscheidender Schritt ist getan.

 

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So finden Sie die Häuser

Als nächstes werden üblicherweise die Häuser eingetragen. Sie erinnern sich? Es gibt viele verschiedene Häusersysteme, die allgemein in äquale und inäquale Systeme geschieden werden. Für die häufigsten inäqualen Systeme, die des Regiomontanus und die des Placidus, finden sie in den Ephemeriden die Angaben zum 11. und 12., und die zum 2. und 3. Haus.

Der Medium Coeli ist mit der Häuserspitze des 10. Hauses, der Aszendent mit der des 1. ident. Für das einfachste und populärste System, das äuqale, brauchen Sie keine Tabellen. Für dieses System werden die Häuser vom Aszendenten an gegen den Uhrzeigersinn in jeweils 30° große Segmente geteilt. Die Häuser I, IV, VII und X werden dabei üblicherweise mit römischen Ziffern beschriftet, da sie zugleich auch die Spitzen der Quadranten sind.

 

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Die Positionen der Planeten

Damit das Horoskop komplett wird, fehlen Ihnen noch die Planeten. Auch hier helfen wieder die Ephemeriden, nur die Bestimmung der Position des Mondes verlangt nach einer Rechnung. Übrigens: Auch die Position der Sonne sollten Sie genau bestimmen. Zwar ist diese bereits bekannt, da man weiß, in welchem Sternzeichen das Individuum, bspw. Frau S. geboren ist.

Denn im Löwen geboren heißt ja nichts anders, als dass bei der Geburt die Sonne im Tierkreiszeichen des Löwen gestanden hat. Aber besonders an den Übergängen der Tierkreiszeichen ist Vorsicht geboten, insbesondere wenn anschließend die Aspekte bestimmt werden sollen. Sie setzen eine bestimmte Genauigkeit voraus. Über die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Planeten im Tierkreis wurde im vierten Abschnitt bereits gesprochen, sie sind auch sehr schön in den Ephemeriden abzulesen.

Die Positionen entnehmen Sie einfach den Ephemeriden und tragen diese mit Symbol und Winkel in das Horoskop ein, üblicherweise am Innenrand des Tierkreises. Die Angabe der Tagesposition ist bei den Planeten genau genug. Nur der Mond beharrt auf einer Sonderbehandlung. Bei ihm ist die tageweise Angabe in den Ephemeriden zu ungenau, denn der Mond wandert alle zwei Stunden um 1° im Tierkreis weiter.

Ausgangspunkt der Korrektur ist die Geburtszeit in der Einheit der Weltzeit, die Sie zu Beginn errechnet haben. Diese Zahl dividieren Sie einfach durch zwei, wodurch Sie die sogenannten Doppelstunden erhalten. Die Doppelstunden sind zugleich die Zahl der Längengrade, die der Mond von Beginn des Geburts-Tages bis zur genauen Geburtszeit zurückgelegt hat.

Diese zählen Sie zur Zahl in den Ephemeriden dazu, ist die Zahl größer als 30 wechselt der Mond ins nächste Tierkreiszeichen. Mit dieser letzten Korrektur haben Sie Ihr erstes Horoskop vollendet!

 

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Die Deutung eines Horoskops

Mit diesem Abschnitt wird ein Bereich betreten, der für viele Menschen die eigentliche Faszination der Astrologie ausmacht. Es stellt sich die Frage, wie aus den Positionen und Stellungen, die ins Horoskop eingetragen wurden, Aussagen über das Wesen, das Potential und die Zukunft eines Lebewesens auf der Erde herausgelesen werden können.

Wenn Sie sich an unsere Definition eines Horoskops erinnern: Das Horoskop ist eine zweidimensionale grafische Darstellung einer ‚Gestirns- und Sternenkonstellation’ zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort.

Um Rückschlüsse über den Einfluss dieser Konstellation auf ein Lebewesen, auf eine Person, ziehen zu können, bedarf das Horoskop also der Deutung. Mit der Deutungskunst wird aber auch der feste Boden der empirischen Wissenschaften endgültig verlassen und der schwierigste Teil der Astrologie betreten, der viel Erfahrung und viel Übung braucht.

Sie kann deshalb im Rahmen dieses Ratgebers nur kurz angerissen werden, denn bei der Deutung eines Horoskops lassen sich kaum allgemeingültigen Methoden und Verfahren angeben. Bei ihr muss auf die lange Tradition der Astrologie zurückgegriffen werden, die jedoch viele Schulen und viele Deutungsarten kennt.

Allgemeingültig kann aber gesagt werden, dass man bspw. den Tierkreiszeichen spezifische Eigenschaften zuspricht, die mit der Jahreszeit verknüpft sind.

Den Planeten werden oft Qualitäten zugeschrieben, die schon den Göttern eigen waren, die mit diesen Planeten gleichgesetzt wurden. Zu den alten Traditionen gesellen sich aber auch neue Deutungsmethoden, die in den vergangenen Jahrhunderten entwickelt wurden. Insgesamt herrscht bei der Ausdeutung eines Horoskops also eine bunte, reichhaltige Vielfalt – eine spannende und faszinierende Aufgabe.

 

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